Montag, 24. Juli 2017

Kosmisches Drehen



Und ist auch alles Quantenwirbel
Chaos in vertrauter Bahn
verborgen jedes Menschen Meter
nur seinem Träumen aufgetan

so schwinden jene Wirklichkeiten
die Menschengeist mit Sinn durchwirkt
zu Wolkenschaum – und Fragezeichen
was Insel seinen Sinnen wird

Still neige ich mich vor dem Großen
das alles ineinander fügt
in raum- und zeitenlosem Schoße
gewähren lässt und einfach liebt


Ludwig Janssen © 18.01.2004

Mittwoch, 19. Juli 2017

Langer Atem


Geh zeitig, doch geh nie zu weit
fort, denn wieder her ruft dich
zum Ort der Wiederkehr beizeiten
von wo auch immer
Immerdar hierher
gleiten flüsternd, auf der Wellen Klar
Träume, knisternd, die Gestade säumen
Vergänglichkeit im Flockenschaum
das Band zerschlagner Schneckenhäuschen

Das rollt und rollt und gottgewollt
Gezeiten - Wiederkehr, nur Ewigkeit
ist anders, schwer und kühl mein
Sinn 
bleibt fassungslos sich selbst
und ohne alles Rund

Das rollt in den Schneckenhäuschen
sich zum Sandkorn hin und grüßt
wissend um das Spiel von Endlichkeiten
von- neben- zu- für- aus-
und nur: einander sein
alles Immerdar nur Traum


Kaum Gedanke aus gequirlten Quanten
fanden meine Kleinigkeiten sich
zu einem Turm mit Licht
darin, es scheint den Nächten aus
den Rippen Kegel, in der Ferne Leuchten
unbekannten Schiffen oder Nichts
verloren und vergebens
Wert, voller Hoffnungslos
in meinen Händen Sand am Strand

klirren  Schneckenhäuschen

Ludwig Janssen © 29.4.2005

Schattenmusikant

Dunkel mein Grund
dem Kiesel Ort
der Stille Ziel
taumelndem Sinken
Ein Meister darin
mit einem Cello
der Tod.

Sein Schattenspiel Saiten
zart gestrichen, rühren mich an
machen meinen Klang
der sterblich dich berührt
Singt er doch das Lied
eines Abschieds feiner

als Licht macht er
dass ich lieben
Glück fühlen
das Leben loslassen
kann, werde
Erde.
Ludwig Janssen©19.6.2004/19.7.2017

Samstag, 15. Juli 2017

Finger weg!



Neulich sagte ein Wort zu mir, ich solle es in Ruhe lassen ... keine Spielchen mit ihm treiben, da ließ ichs bleiben. Kams doch angefaucht: Auch keinen Reim machen sollst du dir! Und kein Bild? Da verlor es endgültig den Faden, rannte davon und ... das verlorene Fädchen fing sich, ein Mädchen, in einem Rädchen des Getriebes, mein Liebes ... Donnerlüttchen, mein NEIN! riefs, NICHT! mir ins Gesicht und rannte, derweil (ich kannte es am kürzer werdenden Kleid der Maid), wie es so hibbelte, ribbelte der verlorene Faden aus der Façon, als es, endgültig nackt, entsprang ... ich sang ihm nach, ich sann ihm nach - mit ausgebreiteten Armen - drum - blieb es stumm und verborgen, barg seine Blöße ... bloß ... bald kam ein Satz: Der hats.


Ludwig Janssen © 16.8.2012

Dienstag, 4. Juli 2017

Tiger Übermü


Wer spaziert da, auf den dünnsten Enden
schneeglatter Zweige (und wird gleich wenden),
mit sicherer Drehung und Eleganz,
die Nonchalance von Kopf bis Schwanz?

Funkelnde Augen voll Poesie:
Das ist der Tiger aus Übermü!

Da! Wirbel! Als ob ihn die Musen stießen,
welche dem Dichter ihn Übermü hießen,
stürzt unser Held, ganz erdenschwer,
mit weichem „pluff“ in ein Flockenmeer.

Entsteigt dem Bade, mit dem Lächeln der Sieger,
schneepudergezuckert als Übermü-Tiger.


Ludwig Janssen © 6.2.2003

Samstag, 1. Juli 2017

Frau Juli novembert

Frau Juli novembert. Eines ihrer Segelöhrchen starb heut Nacht. Tja. Wenn Frau Juli novembert, ist sie wie Fenster an Regentagen. Wie die sind? So: Niemand mag drinnen sein und hinausschauen müssen, und wer außen vor steht, wer hineinsieht, wird klitschnass. Nur die, die sich’s denken, finden irgendwas Romantisches daran.

Fenster an Regentagen bleiben geschlossen. Frau Juli wird also nicht mit der üblichen 90-Grad-Kehre in ihrem Stuhl zoing-doingen und einen Gewitterblick grinsen, sobald man was Blödes sagt wie zum Beispiel „Frau Juli novembert ein wenig.“ oder, erst recht blöd: „Tja.“. Nein. Sie wird die Unterlippe vorschieben und schauen wie ein Regentag am Fenster, also einer, der hinausschaut, einer, von dem man denkt, dass er schön romantisch traurig sei. Ist er aber nicht, denn: Frau Juli novembert!

Gleich wird Frau Juli mit einem Schüppchen – nein, es wird ein Spaten sein, einer, der für ihre Statur und Größe viel zu mächtig ist und sie ausschauen lässt wie einen – und wieder nein, sie würde niemals eine rote Zipfelmütze … in den Garten gehen und ihr Segelöhrchen beerdigen.

Vielleicht, ach, was: hoffentlich, fährt sie danach an die Nordsee, mit dem Rad natürlich, setzt sich an die Uferpromenade oder ins Gras, dass der Wind in ihren Locken zauseln kann. Denn heute ist Juli, zum ersten Mal Juli in diesem Jahr, und die brauchen sie, um sich komplett zu fühlen. Wer? Die See, das Gras, der Wind und der Juli.


Ludwig Janssen © 1.7.2010

Montag, 12. Juni 2017

sich wiegend: sonstn ich ts


Heute liegt nur mehr Meer, sonst nichts an
gesichts des Fehlens eines Betrachters an.
Kein Frachter, beladen mit irgendetwas, ein
er Projektion vielleicht, tuckert, läuft ein.
Kein Vogel - und das Meer sich selbst Konjunkt
Ion, ein: Flut und Ebbe enden hier, an diesem .

Ludwig Janssen © 12.6.2017

Freitag, 9. Juni 2017

Suchmaschinen, Vögel und die Katz

Ich habe eine neue Suchmaschine. Sie steht nie in der Ecke herum, und dass ich sie eigentlich noch nie zu sehen bekam, liegt schlicht daran, dass sie immer auf der Suche ist. Vielleicht nach mir, ich weiß es nicht. Ich dagegen bin auf der Suche nach Antworten, doch, ja, eigentlich auf der Suche nach neuen Fragen.

Da gehe ich voraus, ihr, der Suchmaschine, und schicke sie los, von wo auch immer, über ein, zwei Klicks, lautlos wie auf Katzenpfoten. 

Mir kommt in den Sinn, dass eine Frau mir erzählte, dass ihre Katze die Vögel vom Dach holte, auf das sie über die Dachluke hinaus ihre Ausflüge unternahm. Seltsam. Eine Katze, die ausfliegt, dann ein Vogel, der da liegt. Wie eine Antwort da liegt und über kurz oder lang zu stinken beginnt, Fliegenmaden im Bauch. Die wiederum fliegen, entpuppt zu geflügelten Wesen, auf - und davon, auf der Suche nach Werweißwas, Nahrung, Paarung und Aas. 

Gerade so, als wären Antworten auf Fragen wie tote Vögel, von der Katze gefangen, frisch vom Dach der Welt weg - und die Fragen, die sich aus beantworteten Fragen ergeben, nicht viel mehr als Fliegen auf der Suche nach längst Verstorbenem. Hm ... Schon fühle ich mich auf einem Dach sitzen, dass die Fragen und die Vögel ... Oh! Auf meinem Schoß schläft schnurrend die Katz.

Ludwig Janssen © 9.6.2017

Sonntag, 21. Mai 2017

... von mir


in kiel ist das wasser
salzig, falls ich
mit den möwen ziehe
leise, kreise
von hori bis zont

weht der wind von süden
trocken, hocken
auf der kaimauer du
und ein hund
schaun der ostsee zu

falls ich, salzig
wiederkehre nach kiel
grüßen zu füßen
des hundes und dir
herang und hering



Ludwig Janssen © 21.5.2017


Mittwoch, 17. Mai 2017

zu negativ, sagen sie

schwarze milch schweißearze milch schwarze milch schwarze milch schwlakritze milch schwarze milch