Dienstag, 12. Juli 2016

Hinterm Deich, vor dem Deich

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner&Gomez, Spiez, CH
Er hatte es nicht eilig. Bedächtig trat er in die Pedale, fuhr ein paar Schlenker und nahm Fahrt auf. Zu seiner Rechten türmte sich der Deich. Hinter dem Deich wusste er das Meer. Doch vielleicht war er es, der hinter dem Deich war und die See davor wartete, setzte zum Sprung an, von ganz weit draußen. Hier hinter dem Deich fühlte Ratur sich klein. Ohne den Blick aufs Meer erinnerte er sich, dass die See alles andere war als beschaulich sich wiegende Weite mit schäumendem Saum über Sand und Schneckenhäuschen.
Erinnern. Noch nie hatte er bei Sturmflut auf dem Deich gestanden. Wer steht schon bei Sturmflut auf dem Deich – oder fährt aufs Meer hinaus … Ratur erinnerte Bilder, Bilder, die jemand anderes gesehen und die er, Ratur Lite, in sich aufgenommen hatte und bewegte, als wären sie die eigenen.
Auch so eine Art Deich mit Meer davor und einem Menschen dahinter, der Rad fährt.


Der Horizont war heran gesprungen und lief neben ihm her die Deichkrone entlang, sprang von dort über die Baumkronen und eilte die Landstraße hinab, auf die Ratur nun abbog und seinen Weg in die Stadt nahm.

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