Montag, 14. August 2017

Bist du traurig?

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner&Gomez, Spiez, CH

Vom Gartenzaun her grüßte ein Junge. Hatte die Arme über den Spitzen der Haselstecken verschränkt und sein Gesicht ruhte auf diesen braun gebrannten, dünnen Armen. Milla musterte ihn. Dunkle Hautfarbe, schwarze Locken, kohlrabenschwarze Augen. Könnte zu diesen Flüchtlingskindern gehören, die seit geraumer Zeit im Ort untergebracht waren. Einige mit, andere ohne ihre Eltern. Vielleicht sieben Jahre alt. Woher nur beherrschte er ihre Sprache?

„Hm …“

Milla war nicht nach Reden zumute.

„Ich komme, mich zu bedanken.“

„Wofür?“

„Den Zwetschgenkuchen, den gespendeten.“

„War der gut?“

„Köstlich! Wenn ich davon abbiss und die Augen schloss, war mir, als ob ich nach Hause käme.“

Seltsamer Junge. Über ihren Pflaumenkuchen hatte Milla noch niemanden so reden hören. Sie bat den wunderlichen Gast zu sich auf die Stufen ihrer Backstube, wo er bereitwillig Platz nahm.

„Ich habe noch welchen, magst du ein Stück?“


Leuchtende Augen.

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